Topfschlagen in der Arktis – Auf der Suche nach Hydrothermalquellen


Wir bahnen uns den Weg durch das Eis

Tromsø, 08. September 2016: der Beginn einer sechs-wöchigen Forschungsseereise in die zentrale Arktis. Unsere Ziele: die Suche nach Hydrothermalquellen und die Erforschung einer Unterwasserbergkette. Spannende Aufgaben, die in mir sowohl Neugierde als auch eine gewisse Nervosität auslösten.

Obwohl ich in der Vergangenheit bereits an einigen Seereisen teilnehmen konnte und auch schon ein Jahr zuvor mit dem gleichen Schiff für über acht Wochen in die Arktis aufbrach, war diese Reise doch etwas Besonderes. Von meinen bisherigen Reisen war ich eine planbare Abfolge von Messstationen entlang verschiedener Abschnitte gewohnt. So konnte ich meist frühzeitig meine eigenen Arbeitszeiten absehen und dementsprechend planen. Bei dieser Reise war jedoch ungewiss, wann wir wo was entdecken würden und somit musste der Stationsplan etwas flexibler sein. Das bedeutete, dass die Arbeitsgruppen an Bord jederzeit auf spontane und kurzfristige Planänderungen gefasst sein mussten. Mitunter wurde ich dann auch schon mal mitten in der Nacht durch einen Anruf des Wachoffiziers geweckt, dass ich JETZT dran bin mit meinen Messungen. Ich muss zugeben, dass das nicht unbedingt meine Lieblingsmomente der Reise waren, wo ich es doch gerne etwas entspannter nach dem Aufstehen angehe.

In der Eiswüste

Um den jeweiligen Arbeitsgruppen etwas Erholungspausen einräumen zu können, sind wir immer wieder zwischen unseren beiden Forschungsgebieten hin und her gependelt. Zum einen waren wir auf der Suche nach einer Hydrothermalquelle im tiefen Gakkelrücken, zum anderen haben wir eine Unterwasserbergkette untersucht, die den Gakkelrücken kreuzt. Nach fast täglichem Hin- und Herfahren und immer neuen spontanen Planänderungen konnte es schon mal passieren, dass ich morgens aufwachte ohne genau zu wissen, wo wir uns gerade befanden. Das passiert mir zuhause in der Regel auch nicht jeden Tag.

Meine Arbeitsgruppe, die physikalische Ozeanographie, war in beiden Forschungsgebieten tätig, jedoch mehr in die Suche nach der Hydrothermalquelle eingebunden. Die Flüssigkeiten, die aus solchen Quellen aufsteigen, sind relativ warm und mit verschiedenen Spurenstoffen angereichert. Diese Flüssigkeiten steigen bis zu einer bestimmten Tiefe auf, wo sie sich ansammeln und eine Fahne ausbilden. Diese Fahne haben wir versucht mit verschiedenen Messsensoren zu finden und bis zur Quelle zu verfolgen. Es ist ein wenig wie Topfschlagen, je wärmer es wird, desto dichter kommt man der Quelle.

Der Kameraschlitten geht zu Wasser

Die Schwierigkeit in der Arktis ist allerdings, dass man sich mit dem Schiff aufgrund des vielen Eises nicht frei bewegen kann, solange die Messgeräte im Wasser sind. Also mussten wir uns mit dem Eis treiben lassen und das Risiko auf uns nehmen, an unserem Ziel vorbei zu treiben. Wir hatten viel Glück mit unseren Messungen und konnten zum Ende der Reise eine kleine Region von wenigen hundert Quadratmetern eingrenzen, in denen die Quelle liegen musste. Natürlich wollten wir Fotoaufnahmen von der Hydrothermalquelle machen und führten daher auch einige Driftstationen mit einem Kameraschlitten aus, der hochaufgelöste und rasch aufeinander folgende Aufnahmen des Meeresbodens macht und in Echtzeit übermittelt. Mit diesen Driftstationen hatten wir ein bisschen weniger Glück und landeten nie genau dort, wo wir hin wollten. Auch wenn wir kleinere Quellen sehen konnten, mussten wir doch jedes Mal knapp an der ersehnten großen Quelle, die für das klare Signal in der Wassersäule sorgen musste, vorbei gefahren sein. Und so blieb uns leider nichts anderes übrig, als nach fünf Wochen auf See unsere einwöchige Heimreise zurück nach Deutschland ohne diesen krönenden Erfolg anzutreten.

Korallen in der Arktis

Nichts desto trotz haben wir eine Menge toller Daten sammeln können und wir brachten wundervolle Aufnahmen des arktischen Tiefseebodens mit, der auf den Unterwasserbergen überraschenderweise übersäht ist mit Schwämmen und allerlei wundersamem Leben. So haben wir zum Beispiel Fische aus dem Atlantik beobachten können, die vorher noch nie in der Arktis gesichtet wurden, neue bisher unentdeckte Ruderfußkrebsarten entdeckt und sogar Korallen mitten in der Arktis gesehen!

Alles in allem war es eine fantastische Erfahrung für mich, die ich hoffentlich nicht zum letzten Mal hatte. Ich freue mich schon auf das nächste Topfschlagen!

 

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